Archive für die ‘Allgemein’ Kategorie

Projekt Wetteraukrieger

2. April 2014

Wir können uns heute in etwa vorstellen, wie die Kelten der Latènezeit im Allgemeinen ausgesehen haben. Aber wie sahen die Kelten der Frühlatènezeit aus? Wie viel hat sich geändert im Vergleich zur Hallstattzeit? Gab es regionale Unterschiede?
Die Kelten in der Wetterau hatten nachweislich Kontakt zum Etruskischen Siedlungsgebiet. Dies zeigen uns beispielsweise die Funde am Glauberg. Ganz besonders die Schnabelkannen verdeutlichen dies. Ähnlichkeiten der Funde bestehen auch zum Ligurischen Siedlungsgebiet. Kombiniert man diese Funde, so kann man in etwa ein Bild der Wetteraukelten bekommen. Auch die Statuen helfen uns weiter.
Als die Kelten über die antike Welt hereinbrachen hinterließen sie einen bleibenden Eindruck auf die Geschichtsschreiber. Besonders ihr Auftauchen in dem heutigen Norditalien.
Die Kelten werden als große, blonde Barbaren beschrieben, die bekleidet mit Hosen und Mänteln in bunten Farben und Mustern, auf die die zivilisierten Etrusker und Römer trafen.

Keltischer Fürst vom Glauberg mit Schnurr- und Kinnbart
Replik der Statue des Glaubergfürsten. Hergestellt von der Gruppe Aremorica

Aus Funden wissen wir, dass die Kelten im Schnitt zwischen 175 und 185cm groß waren. Ihre Haare behandelten sie mit einer Art Seife, so dass sie hell wurden und nach oben standen. Sie hatten Schnurr- und auch Kinnbärte. Oft trugen die keltischen Krieger Helme, die teilweise sogar einen Schmuck trugen. Durch diese Merkmale wirkten sie auf die eher kleinen Einheimischen riesig. Das zeigen auch die Fresken auf dem Pergamonaltar, die den “Kampf gegen die  Giganten” darstellen.

 

 

Darstellung keltischer Adlige auf der Situla von Wace

Kleidung:

Über die Kleidung der Kelten geben uns die antiken Geschichtsschreiber, Darstellungen auf Situlas oder Reliefen Auskunft.
Hier zeigt sich, dass die Kelten nicht die nackten Wilden waren, wie der Volksglaube sie gerne darstellt.
Mehr über die Kleidung …

 

 

Replikat hergestellt von Officina Lupi

Schmuck:

Die Funde in Hessen zeigen, dass die Kelten Schmuck liebten und auch trugen. Hals-, Arm- und Fingerringe waren Statussymbole. Fibeln dienten zum Halten der Kleidung und waren trotzdem filigran gearbeitet. Reich verzierte Gürtel waren sowohl Kleidungsstück als auch Schmuck. Selbst die Schuhe konnten verziehrt sein, wie zum Beispiel der Fürst von Hochdorf sie trug.
Mehr über den Schmuck …

Hergestellt von
Stefan Jaroschinski

 

 

Die Kelten legten Wert auf Körperpflege. Dies bezeugen Funde von Toilettenbestecken mit Pinzetten, Ohrschabern und Nagelschneidern, Rasiermesser sowie Spiegeln. Auch das Wort “Seife” geht auf den keltischen Ursprung “Sapo” zurück.

 

Hess. Landesmuseum Darmstadt

 

 

Der Übergang von der Hallstatt- zur Latènezeit zeichnet sich auch dadurch aus, dass sich die Sitte, Waffen in die Gräber männlicher Kelten beizulegen, ändert. In dieser Zeit finden sich die typisch “keltischen” Waffen.
Mehr über die Waffen …

 

 

Diese theoretischen Ansätzen haben wir versucht umzusetzen und haben uns für die Interpretation in Form einer Männertracht entschieden. Sie datiert in die La-Tène-A-Periode. Für die Interpretation der Männertracht haben wir uns an den Funden aus dem Grab 1 im Grabhügel 1 am Glauberg orientiert. Zusätzliche Ausstattungsmerkmale werden gesondert beschrieben.
Zur Interpretation der männlichen Tracht…

Wirtschaft

12. Mai 2012

Ackerbau und Viehzucht bildeten die Grundlage der kelt. Kultur. Der Großteil des Volkes befasste sich damit. Aus dieser Notwendigkeit entwickelten die Kelten überdurchschnittliche Fähigkeiten, wenn es darum ging die Werkzeuge zu verbessern; so entwickelten sie Pflugscharen, deren Art sich bis heute kaum veränderte und entwickelten das Speichenrad in der Form, wie es noch im 19. Jhdt. benutzt wurde und erst durch die Technik des 20. Jhdt. übertroffen werden konnte.

Da Eisen ein unentbehrlicher Rohstoff wurde, entstand eine regelrechte Eisenindustrie. Die K. förderten es im Bergbau. Meist konnte es durch einfachen Tagebau gewonnen werden, tieferliegende Erzvorkommen, sowie Salze und Kupfer, wurden jedoch im Tiefbau gefördert. Dies erforderte zusätzlich eine Verarbeitung großer Holzvorkommen, so dass teilweise ein Drittel der Grubenarbeiter mit der Waldarbeit beschäftigt waren. Da jedoch nicht in allen Regionen Rohstoffe gefördert werdenkonnten entstand ein Handelsnetz, das ganz Europa durchzog. Rohstoffreiche Stämme exportierten diese und Stämme, die sich auf ihre Verarbeitung spezialisiert hatten importierten und verarbeiteten sie, um sie dann weiter zu verkaufen.

Schrift

12. Mai 2012

Die Kultur der Kelten gilt gemeinhin als schriftlos. Im Gegensatz zu den Griechen oder Römern, führten sie keine Bibliotheken oder schrieben ihre Geschichte nieder. Es gibt keine ,,keltischen” Chronisten. Auch wurden religiöse Aspekte so gut wie nie niedergeschrieben. Im Gegenteil, Caesar wies darauf hin, dass es den Druiden strengstens verboten war, ihr Lehren schriftlich aufzuzeichnen. Gleichzeitig weißt er aber auch daraufhin, dass sie ,, ..in fast allen übrigen Dingen, .. , die griechische Schrift verwenden. ..” (De Bellum Gallicum VI, 14,3) Caesar weißt darauf hin, dass den Kelten durchaus Schrift bekannt war und dass sie diese wohl auch im öffentlichen Leben nutzten. Auch andere antike Autoren bezeugen den Schriftgebrauch. So schreibt Diodor, dass die Gallier bei Leichenverbrennung den Toten Briefe an ihren verstorbenen Verwandten mitgaben ( Diodor, V, 28,6)

Wenn die Kelten die Schrift im öffentlichen Leben nutzten, so taten sie es vermutlich auf vergänglichem Material, das archäologisch nicht fassbar ist. Schriftliche Hinterlassenschaften sind dennoch aus Inschriften und Graffitis auf uns gekommen. Sie zeigen, dass die Kelten zwar keine eigene Schrift entwickelten, sie sich aber ab etwa dem 4. Jhdt. BC den lateinischen, griechischen und etruskischen Lettern bedienten. Hauptsächlich wurde sie genutzt um Gegenstände mit den Namen des Besitzers zu versehen, wie auf Tonwaren, Waffen oder Helmen oder um Opfergaben an die Götter zu weihen. Aus verschiedenen Oppida sind sogar beinerne Schreibgriffel und hölzerne Schreibtäfelchen nach mediterranem Vorbild belegt.

Gerade aus dem keltiberischen, Cisalpinen und dem Lepontischen Siedlungsgebiet sind verschiedenste Inschriften auf Steinen oder Bronzetafeln nachgewiesen. Manche davon sogar bilingual, so dass sie eine Rekonstruktion der Sprachen ermöglichen. Auch der Kalender von Coligny fällt in diese Kategorie. Er ist jedoch aus dem 2. Jhdt. n.Chr. und beruht auf römischen Einfluss.

Im Gegensatz zu den eisenzeitlichen Inschriften ist das so genannte Ogham-Alphabeth kein keltisches Schriftsystem. Es basiert auf der lateinischen Schrift und wurde im 5. Jhdt. n.Chr. entwickelt. Es war bis in das 9.Jhdt. in Gebrauch. Ogham findet sich ausschließlich auf Steinen, die sichtbar in der Landschaft standen. Die Inschriften sind in Altirisch verfasst und waren stets kurzgehalten. Meistens waren es Hinweise auf Personen. Teilwiese finden sich auch bilinguale Inschriften.

Sprache

12. Mai 2012

Auf Grund der Entwicklung der keltischen Kultur und deren wenigen hinterlassenen Aufzeichnungen, ist es schwierig die Sprache der Kelten zu rekonstruieren. Reste der alt-keltischen Sprachen finden sich noch in den insel-keltischen Sprache. Aber auch in den Sprachen des Europäischen Festlandes finden sich immer noch Begriffe und Worte aus dem Alt-keltischen.

Heute versuchen die vergleichenden Sprachwissenschaften und die Keltologie sich daran, die Sprache unserer Ahnen zu erforschen.

Das Keltische gehört zu den indoeuropäischen Sprachen und bildet deren westlichsten Zweig. Es ist verwand mit dem Germanischen, Lateinischen, Slawischen, Baltischen, Thrakischen, Albanischen, Griechischen, Iranischen, Indischen usw. Sie alle entwickelten sich aus einer indoeuropäischen Ursprache und ähneln sich im Lautbestand, der Form- und Wortbildung, im Satzbau und Wortschatz.

Das Keltische hat sich stets weiterentwickelt und zerfällt in unterschiedliche Einzelsprachen. Vergleichbar sind unsere heutigen Dialekte. Zu den festlandkeltischen Sprachen zählen das Gallische, Galatische, Lepontische und das Keltiberische. Auf die inselkeltischen Sprachen möchte ich hier nicht weiter eingehen.

Die Wortbildung und Formenlehre des Keltischen ähnelt stark denen des Griechischen und Lateinischen. Es finden sich häufig Wortkompositionen. Vorallem bei Orts- und Personennamen (z.B. Curmisagius – Bier-Freund). Die Wortstellung im Satzbau war wahrscheinlich, ähnlich wie im Lateinischen, weitgehend frei.

Gesellschaft

12. Mai 2012

Die Gesellschaft der Kelten war wie die meisten antiken Kulturen, gegliedert in den Adel, das Volk und die Knechte. Des weiteren gab es die Gliederung in Familie und Gefolgschaft.

Laut Caesar herrschte in den Familien das Patriarchat und die Einehe. Laut Strabon und Livius waren die keltischen Familien sehr kinderreich. Trotz der Männerherrschaft und den bezeugten Witwenmorden an Gräbern oder Frauenopfern, unterschied sich die Rolle der Frau bei den Kelten von denen der anderen antiken Völker. So bestand die Möglichkeit, dass Witwen oder Töchter die Herrschaftsfolge antreten konnten. Als Beispiel kann hier die britannische Königin Boudiccia genannt werden, die auch zeigt, dass die keltische Frau nicht zu Hause blieb und das Haus hütete sondern durchaus das Schwert im Kampf führte. Ein anderes Beispiel ist der Abstammungsbezug zur mütterlichen Linie, wie wir es aus Irland kennen. Männer geben z. B. den Namen ihrer Mutter an. Die mutterrechtliche Sippe heißt Clan. Auch war es nicht unüblich, dass die keltische Frau sich ihren Gatten auswählte. Dies stieß bei den antiken Gelehrten auf große Verwunderung, wie z.B. bei dem Griechen Diodor.

Auch priesen die verheirateten Damen anderen Männern an, sich ihnen hinzugeben, ohne dass dies als verwerflich galt, wie es beispielsweise die Königin Medb tat, um ihre Soldaten anzuspornen den Helden CuChullain zu töten. Der Adel herrschte über das kelt. Volk. Er bestand meist aus Grundbesitzern, die sich durch ihren Reichtum, Abstammung und großen Gefolgschaften auszeichneten. Zwischen diesen bestand eine zweiseitige Bindung. Die Herrschaft musste das Volk schützen und sich ihm wohlgesonnen halten (beispielsweise durch Geschenke), während das Volk absolute Treue schwor. Daher war es bei den Kelten sehr beliebt Feste und Gelage zu feiern die manchmal ins Unendliche zu gehen schienen. Bei diesen Gelegenheiten kam es nicht selten zu Streitigkeiten und Auseinandersetzungen. Trotzdem war in der antiken Welt die kelt. Gastfreundlichkeit gerühmt: Fremde wurden jederzeit eingeladen und standen unter einem besonderen Schutz. Wer einen Fremden tötete wurde hingerichtet, einen Einheimischen, in die Verbannung gejagt. Doch auch Knechte, bzw. Hörige gehörten zur kelt. Gesellschaft. So begaben sich Kelten, die ihre Schulden nicht zahlen konnten in die Knechtschaft. Sie hatten kein Stimmrecht und unterstanden der Gewalt ihres Hausherrn, dem sie allerdings absolute Treue leisteten. Die Kelten waren ein kriegerisches Volk und gerieten leicht in Zorn. Die Gelehrten schrieben allerdings, dass sie auch ohne Ausdauer wahren und ihre Feldzüge leicht in Flucht umschlugen, sobald sie keine Siegeschancen mehr sahen.

Unterteilt war das keltische Volk in Stämme. Ihre Größe schwankte zwischen 50000 und 200000 Mitgliedern. Die größeren Stämme waren in Gaue unterteilt. Es kam jedoch auch dazu, das einzelne Stämme zerfielen, Gaue zu anderen Stämme wechselten oder sich zu neuen Stämme zusammen schlossen, daher ist eine eindeutige Differenzierung sehr schwer. Der Stamm zeichnete sich als eigenständige Gemeinschaft, mit eigener Tradition, eigenen Kulten und einem eigenen Territorium aus, das durch natürliche Grenzen von den nächsten Stämmen getrennt wurde. Die Stämme trachteten stets danach, ihre Nachbarn zu unterwerfen oder zu vernichten. Bündnisse gingen sie nur selten ein.

Einführung

30. März 2012

Eine eindeutige Bestimmung der hessischen Ureinwohner ist gerade in Mittelhessen nahezu unmöglich. Die Römer legten hier ihre nördliche Grenze fest. Der Limes zieht sich durch ganz Mittelhessen, die Wetterau diente dem Imperium als Kornkammer.
Hessen ist ein Gebiet, in dem sich die Vermischung Keltischer, Germanischer und Römischer Einflüsse stark ausprägt. Doch in der Frühzeit muss der Bereich bis auf Höhe Kassel Keltisches Siedlungsgebiet gewesen sein, wie jüngste Grabungen zeigten. Schon Caesar wies auf die Keltische Kultur jenseits des Mains hin.

Das Heidetränke-Oppidium am Altkönig/Taunus gilt schon lange als keltische Siedlung. Funde in Bad Nauheim zeigten, dass hier eine große  Salzgewinnungsindustrie florierte. Teile von Salinen wurde ebenso zu Tage gebracht wie Grabbeigaben, Schmuck, Trinkgefäße und Waffen.

Die Funde am Glauberg galten als eine der Sensationen Keltischer Relikte.
Die Statue des Keltenfürsten sowie die Anlage des Grabhügels mit Prozessionsstraße und zwei reich ausgestatteten Gräbern, eines Graben-Wall-Systems, Siedlungsspuren und weitere Grabhügel im Umland deuten darauf hin, dass der Fürstensitz auf dem Glauberg von großer Bedeutung gewesen sein muss. Der für die Statuen verwandte Sandstein stammt aus einem Steinbruch, der sich in Büdingen befindet. Hier finden sich zudem noch mehr als 20 Grabhügel.