Archive für Mai, 2012 | monatliche Archiv Seite

Bataver

13. Mai 2012

Die Bataver sind ein Zweig der Chatten. Aufgrund von Fehden und innerstämmischen Zwisten zogen sie gen Westen und siedelten sich am linken Rheinufer und auf der Rheininsel an.

Sie waren dem Imperium Romanum ergeben und galten als Wachtposten gegen die Ostrheinischen Stämme. Sie waren, auf Grund ihrer Verdienste, zins- und steuerfrei.

Stämme in Hessen

13. Mai 2012

In Hessen trafen der Germanische und der Keltische Siedlungsraum direkt aufeinander. Daraus resultierten Handel, Fehde, Verbrüderung und kultureller Austausch. Daher ist es sehr schwer, die hier siedelnden Stämme den klassischen Definitionen von germanisch oder keltisch zu zuordnen. Hinzu kommt die römische Okkupation, Völkerwanderung und die Ermangelung von schriftlichen Zeugnissen. Aus diesen Gründen verzichtet die Wissenschaft auf einen Gliederung Hessens in Stammesregionen.

Dies soll der Versuch sein, die Volksgruppen der Eisenzeit darzustellen, von denen bekannt ist, dass sie in Hessen angesiedelt waren. Es sind hauptsächlich Großstämme mit Verzicht auf die Darstellung der Untergliederung in Regionale Kleinstämme. Den Hauptbezug stellt Tacitus “Germanica” dar.

Zeittafel

12. Mai 2012

Einige Daten der Geschichte die uns durch die antiken Historiker belegt sind:

Vielen Dank an Patrick Meyer von der Gruppe Projekt Latène für die Unterstützung.

(Keine Garantie auf Vollständigkeit)

6.Jhd. v.Chr.Hekataios v. Milet erwähnt erstmals die Keltike und zwei keltische Städte nördlich von Massalia
ca. 550 v.Chr.Wandersage von Livius
5.Jhd. v.Chr.Kelten tauchen in Venetien und Illyrien und dem Balkan auf Herodot erwähnt keltische Siedlungen im oberen Donautal Übergang von der Hallstatt- in die La-Téne-Kultur
ca. 500 v.ChrDer Stamm der Boier besiedelt Böhmen und Norditalien und macht dort die Etruskische Stadt Felsina zu seinem Hauptort Bononia (Bologna)
4.Jhd. v.Chr.Ephoros von Kyme bezeichnet die Kelten als Philhéllenes (Griechenfreunde) und zählt sie zu den vier Barbarenvölkern ( Kelten, Skythen, Lybier und Perser Aristoteles bezeichnet die Kelten als unbeherrscht und unfähig zu staatlicher Ordnung rühmt aber auch ihre Tapferkeit Strabon verweist auf die Trunksucht der Kelten
18. Juli 387 v.Chr.Schlacht an der Allia Kelten besetzen und Plündern unter Brennus Rom. Vae victis - "Wehe den Besiegten"
386 v.Chr.Kelten greifen in der Gefolgschaft Königs Dionysius I. von Syrakus italische Städte an
369 v.Chr.Kelten kämpfen unter König Dionysius I. von Syrakus an der Seite der Spartaner gegen Theben
335 v.Chr.Alexander der Große trifft in Makedonien auf die Kelten. "Wir fürchten nichts, außer das der Himmel uns auf den Kopf fällt!"
310 - 307 v.Chr.Kelten landen an der Küste Nordafrikas und greifen an der Seite von Agathoklas von Syrakus Karthago an
3.Jhd. v.Chr.Kallimachos nennt die Kelten Titanen, d.h. Feinde der Götter Die Anthologica Greaca setzt die Kelten gleich mit frevelhaftem Übermut der kein Gesetz kennt
um 300 v.Chr.Kelten nutzen griechische Schrift auf Weihesteinen
295 v. Chr.Schlacht um Sentinum an der Seite der Samniten
285 v. Chr.Große Kelteninvasion der Boier und Senonen in Etrurien
284 v. Chr.Keltische Truppen vernichten eine Konsulararmee bei Arezzo Kelten unterliegen mit Etruskischen Verbündeten in einer Schlacht am vadimonischen See
280 v.Chr.Römer lassen Boier fliehen, verfolgen die Senonen und verheeren deren Siedlungsgebiet Gründung des Ager Gallicus Kelten verheeren Thrakien, Makedonien und Illyrien
279 v. Chr.Kelten fallen in Thessalien und Griechenland ein Angriff auf Delphi In Thrakien wird das Reich der keltischen Tylenen errichtet Der Stamm der Skordisker gründet die Stadt Singudunum (Belgrad)
277 v.Chr.Kelten kämpfen in der Gefolgschaft des makedonischen Königs Antigonus Gonatas in der Schlacht bei Lysimakeia
230 v. Chr.Schlacht um Pergamon König Attalos I. von Pergamon besiegt die Titanen
225 v. Chr.Schlacht um Telamon
218 v. Chr.Schlacht um Ticinus an der Seite Hannibals
209 v.Chr.Die Römer nehmen Carthago Nova ein
201 v.Chr.Die Carthager geben die Iberische Halbinsel auf
2.Jhd. v.Chr.Germanen und Daker verdrängen die Kelten nach Westen
190 v. Chr.Beginn der Wanderung der Kimbrii und Teutonii
189 v. Chr.Gnaeus Manlius Vulso führt eine Legion gegen die Tolistoagier, Tektosagen und Trokmer. Dabei wurde ihre Festungen auf dem Olympos und Magaba zerstört.
180 v.Chr.Die Römer erobern unter Sempranius Grachus keltiberische Siedlungen und verhängen Tributzahlungen und ein Befestigungsverbot
154 v.Chr.Die keltiberischen Beller befestigen ihren Hauptort Segeda Die Römer wollen diese Maßnahme sanktionieren mit der Folge, dass die Keltiberer, Vakkäer, Vettonen und Lusitanier gegen Rom in den Krieg ziehen
151 v.Chr.Die Lusitanier schlagen die Römer
150 v.Chr.Die Lusitanier unterwerfen sich freiwillig den Römern Aus Rache für die Schlacht von 151 richten die Römer ein Blutbad an und verkaufen die Überlebenden in die Sklaverei
147 v.Chr.Überlebende Lusitanier erheben sich unter Viriatus und beginnen einen erfolgreichen Guerillakrieg gegen die Okkupatoren
140 v.Chr.Viriatus erzwingt die Kapitulation Quintus Fabius Maximus Servilianus schließt mit ihnen einen Friedensvertrag und ernennt Viriatus zum "amicus populi Romani"
139 v. Chr.Viriatus Status des "amicus populi Romani" wird vom Senat für nichtig erklärt. Er wird auf Geheiß von seinen Landsleuten getötet.
134 v. Chr.Die Arevaker nehmen die geflohenen Beller aus Segada auf.
133 v. Chr.Die Römer nehmen nach monatelanger Belagerung die Arevakische Stadt Numantia ein.
125 v. Chr.Die keltischen Salluvier greifen Massalia an. In der Schlacht mit den Legionen wird der Hauptort Entremont zerstört. Die Hädurer werden Römische Bündnispartner
113 v. Chr.Die Kimbrii und Teutonii besiegen die Römer bei Noreia
107 v. Chr.Schlacht um Bordeaux Der Stamm der Volken-Tektosagen besiegen und demütigen die Römer
102 v. Chr.Keltische Stämme schließen sich dem Zug der Kimbrii und Teutonii an und stürmen auf Rom Sieg der Römer nach ihrer Heeresreform über die Teutonen bei Aquae Sextiae
101 v. Chr.Sieg der Römer über die Kimbern bei Vercellae
80 - 71 v. Chr.Lusitanier erheben sich unter dem röm. Ritter Quintus Sertorius gegen Rom
72 v. Chr.Die Sequaner bitten die germanischen Sueben unter Ariovist um Unterstützung gegen die römerfreundlichen Hädurer
71 v. Chr.Quintus Sertorius wird ermordet
61 v. Chr.Sueben besiegen Hädurer und besiedeln das Elsass
60 v. Chr.Die Daker vertreiben die Boier aus Transsilvanien
58 v. Chr.Gallische Stämme unter Führung der Helvetier ziehen gen Gallia Narbonensis Sie werden von Caesar nahezu ausgerottet und die Reste jenseits des Rheins angesiedelt Die Usipeter werden von den Chatten aus Nordhessen vertrieben
57 v. Chr.Aufstand der Nervier und Veneter Suessionen, Bellovaker, Ambianer und Atuatuker werden von Caesar unterworfen
56/55 v. Chr.Usipeter und Tencterer setzen über den Rhein und vertreiben die Menapier
55 v. Chr.Die Ubier kämpfen gegen die Sueben und bitten Rom um Hilfe Die Usipeter und Tencterer ziehen gen Westen Caesar landet in Britannien und kämpft gegen britannische Stämme
54 v. Chr.Kämpfe der Treverer gegen Caesar
Sommer 54 v. Chr.Britannische Kelten kämpfen unter Cassivelaunus gegen Caesar und werden geschlagen
54/53 v. Chr.Aufstand der Belger unter dem Eburonenhäuptling Ambiorix
53 v. Chr.Caesar unterwirft Treverer, Nervier, Senonen, Karnuten und Menapier
52 v. Chr.Gallische Stämme lehnen sich gegen die römische Okkupation unter Führung des Arvernerprinzen Vercigetorix in Gallien auf und ermorden römische Bürger in Canebum
März/April 52 v. Chr.Belagerung von Avaricum ( Hauptort der Biturigen)
Mai 52 v. Chr.Die Kelten fügen den Römern bei der Schlacht um Gergovia herbe Verlust zu
Sommer 52 v. Chr.Caesar schließt die Kelten in Alesia ein Ein Rettungsversuch aller Kinder und Frauen schweitert, sie verhungern zwischen Belagerungsring und der Stadt Die Kelten ergeben sich Die Hädurer und Averner werden von Rom unterworfen --> "..ganz Gallien ist von Rom besetzt!.."
Mai 46 v. ChrVercingetorix wird in Rom erdrosselt
35 v. Chr.Salasser und Tauriner kämpfen in den Alpen gegen die Römer und werden unterworfen
29 - 19 v. ChrAugustus besiegt die Asturer und Kantabrer und unterwirft die Iberische Halbinsel
20 v.Chr.Das ostkeltische Oppidum Závist wird zerstört
15 v. Chr.Im Wallis und an der Donau kämpfen keltische Stämme gegen die Okkupation und werden besiegt
10 v. Chr.Schlacht um das Oppidum am Dünsberg und seine Zerstörung durch Römische Truppen
9 n. Chr.Varusschlacht
43Die Römer besetzen Britannien und unterwerfen die keltischen Einwohner
50Das Oppidum Ubiorum wird zur Römischen Kolonie "Colonia Claudia Ara Agrippinensum" (Köln)
69Aufstand der Bataver Gallische Druiden sagen nach Brand im Kapitol das Ende Roms voraus
80Kaiser Domitian besiegt die Chatten in der Wetterau und erhält den Beinamen Germanicus 1. Ausbaustufe des Obergermanische Limes (Holztürme)
81 - 89Chattenkriege
ca. 85Gründung der Provinzen Germania Inferior und Germania Superior
um 100Die Boier in Südhessen gehen in den germanischen Markomannen auf
145 - ca. 200Der Limes wird durch nach und nach durch Steintürme gesichert
167 - 180Markomannenkriege
um 213Caracalla lässt in Raetien die "Teufelsmauer", den steinernen Limes, gegen die Alamannen errichten
ca. 233Die Alamannen durchbrechen den Obergermanischen Limes
235keltische Druidin warnt Kaiser Alexander Severus seinen Soldaten zu vertrauen und vor Hoffnung auf einen Sieg
257Germanische Stämme stürmen gegen den Limes und durchbrechen seine Schutzwirkung
ca. 260Die Römer geben den Limes auf
......to be continued

Untergang

12. Mai 2012

Wirklich untergangen ist das keltische Volk bis heute nicht. Seine Nachkommen finden wir über ganz Europa verteilt, doch das keltische Erbe ging weitestgehend verloren. Grund hierfür ist, dass sich die keltische Kultur sich langsam mit ihren Nachbarn und Besetztern vermischte und ihre Gebräuche und Lebensweisen übernahm. Der Untergang begann etwa um die Zeit, als die Kelten gegen die Römer immer häufiger Niederlagen erlitten, ca. 300 v. Chr.

Um 150 v. Chr. war die Gallia Cisalpia ( Region südl. der Alpen) zum Teil Roms geworden. Die Kelt-Iberer verloren die spanische Halbinsel um 133 v. Chr. nach dem Untergang des Oppidiums Numantia an die Römer. Das Ende der Gallia Transalpina ( Region nördl. der Alpen ) begann mit dem Bund den die Stadt Massilia mit den Römern einging um die Stämme der Vocontier zu unterwerfen. Die Region ( Gallia Narbonensis ) wurde 118 v. Chr, röm. Kolonie. Die Kimbern und Teutonen fielen um 113 v. Chr. über die röm. Kolonien her und die Römer beschlossen, dass das gesamte nördl. Gallien unterworfen werden musste um sich vor ihnen zu schützen. Ein ehrgeiziger Römer beschloss die Kelten entgültig zu besiegen.

Mit Iulius Caesar erlebten die Kelten ihre gloreichsten Kriege und ihre tödlichsten Niederlagen. Als der Averner Vecingetorix nach sechsjähriger Haft am 26. September 46 v. Chr. in Rom erwürgt wurde, schrieben die Historiker:

“Ganz Gallien ist von den Römern besetzt!”

Einzig und allein die Kelten östlich des Rheines, die von den Römern als Germanen bezeichnet wurden, leisteten weiterhin Widerstand und konnten lange ihre Unabhängigkeit behaupten, selbst die Galater hatten ihre Selbstständigkeit verloren und waren anektiert. Die Unterwerfung der Kelten in den Alpen begann um 35 v. Chr. mit den Kämpfen gegen die Salasser und Tauriner. Um 15 v. Chr. unterlagen die Stämme in den Regionen des Wallis und an der Donau. Ein Siegdenkmal nördlich von Monaco nannte die Namen der 170 unterworfenen Stämme. Das keltische Reich stand nun von der Atlantikküste bis an das Schwarze Meer und vom Mittelmeer bis zum Herkynischen Wald unter dem Schutze Roms.

Einzig Britannien, Irland und Caledonien waren noch keltische Gebiete. Die Anektion Britanniens begann gegen 43 n. Chr. mit dem Einfallen Claudius in die Lowlands. Sie stießen bis nach Schottland vor und errichteten unter Hadrian einen Wall, der sie gegen die Caledonier schützen sollte. Irland erreichten sie nicht. Dies war der politische Niedergang der Kelten, der ethnologische erfolgte um das 1. Jhdt. Der keltische Stamm der Boier (Region um Mainz bis in den Taunus) wurde von den Markomannen germanisiert. Die Allamannen besetzten um 300 den Raum nördlich der Alpen. Kelten und Germanen schlossen sich zusammen und wanderten über das europäische Festland bis auf die britischen Inseln. Das keltische Reich war Vergangenheit und das Mittelalter brachte neue Wirren über Europa.

Wirtschaft

12. Mai 2012

Ackerbau und Viehzucht bildeten die Grundlage der kelt. Kultur. Der Großteil des Volkes befasste sich damit. Aus dieser Notwendigkeit entwickelten die Kelten überdurchschnittliche Fähigkeiten, wenn es darum ging die Werkzeuge zu verbessern; so entwickelten sie Pflugscharen, deren Art sich bis heute kaum veränderte und entwickelten das Speichenrad in der Form, wie es noch im 19. Jhdt. benutzt wurde und erst durch die Technik des 20. Jhdt. übertroffen werden konnte.

Da Eisen ein unentbehrlicher Rohstoff wurde, entstand eine regelrechte Eisenindustrie. Die K. förderten es im Bergbau. Meist konnte es durch einfachen Tagebau gewonnen werden, tieferliegende Erzvorkommen, sowie Salze und Kupfer, wurden jedoch im Tiefbau gefördert. Dies erforderte zusätzlich eine Verarbeitung großer Holzvorkommen, so dass teilweise ein Drittel der Grubenarbeiter mit der Waldarbeit beschäftigt waren. Da jedoch nicht in allen Regionen Rohstoffe gefördert werdenkonnten entstand ein Handelsnetz, das ganz Europa durchzog. Rohstoffreiche Stämme exportierten diese und Stämme, die sich auf ihre Verarbeitung spezialisiert hatten importierten und verarbeiteten sie, um sie dann weiter zu verkaufen.

Schrift

12. Mai 2012

Die Kultur der Kelten gilt gemeinhin als schriftlos. Im Gegensatz zu den Griechen oder Römern, führten sie keine Bibliotheken oder schrieben ihre Geschichte nieder. Es gibt keine ,,keltischen” Chronisten. Auch wurden religiöse Aspekte so gut wie nie niedergeschrieben. Im Gegenteil, Caesar wies darauf hin, dass es den Druiden strengstens verboten war, ihr Lehren schriftlich aufzuzeichnen. Gleichzeitig weißt er aber auch daraufhin, dass sie ,, ..in fast allen übrigen Dingen, .. , die griechische Schrift verwenden. ..” (De Bellum Gallicum VI, 14,3) Caesar weißt darauf hin, dass den Kelten durchaus Schrift bekannt war und dass sie diese wohl auch im öffentlichen Leben nutzten. Auch andere antike Autoren bezeugen den Schriftgebrauch. So schreibt Diodor, dass die Gallier bei Leichenverbrennung den Toten Briefe an ihren verstorbenen Verwandten mitgaben ( Diodor, V, 28,6)

Wenn die Kelten die Schrift im öffentlichen Leben nutzten, so taten sie es vermutlich auf vergänglichem Material, das archäologisch nicht fassbar ist. Schriftliche Hinterlassenschaften sind dennoch aus Inschriften und Graffitis auf uns gekommen. Sie zeigen, dass die Kelten zwar keine eigene Schrift entwickelten, sie sich aber ab etwa dem 4. Jhdt. BC den lateinischen, griechischen und etruskischen Lettern bedienten. Hauptsächlich wurde sie genutzt um Gegenstände mit den Namen des Besitzers zu versehen, wie auf Tonwaren, Waffen oder Helmen oder um Opfergaben an die Götter zu weihen. Aus verschiedenen Oppida sind sogar beinerne Schreibgriffel und hölzerne Schreibtäfelchen nach mediterranem Vorbild belegt.

Gerade aus dem keltiberischen, Cisalpinen und dem Lepontischen Siedlungsgebiet sind verschiedenste Inschriften auf Steinen oder Bronzetafeln nachgewiesen. Manche davon sogar bilingual, so dass sie eine Rekonstruktion der Sprachen ermöglichen. Auch der Kalender von Coligny fällt in diese Kategorie. Er ist jedoch aus dem 2. Jhdt. n.Chr. und beruht auf römischen Einfluss.

Im Gegensatz zu den eisenzeitlichen Inschriften ist das so genannte Ogham-Alphabeth kein keltisches Schriftsystem. Es basiert auf der lateinischen Schrift und wurde im 5. Jhdt. n.Chr. entwickelt. Es war bis in das 9.Jhdt. in Gebrauch. Ogham findet sich ausschließlich auf Steinen, die sichtbar in der Landschaft standen. Die Inschriften sind in Altirisch verfasst und waren stets kurzgehalten. Meistens waren es Hinweise auf Personen. Teilwiese finden sich auch bilinguale Inschriften.

Sprache

12. Mai 2012

Auf Grund der Entwicklung der keltischen Kultur und deren wenigen hinterlassenen Aufzeichnungen, ist es schwierig die Sprache der Kelten zu rekonstruieren. Reste der alt-keltischen Sprachen finden sich noch in den insel-keltischen Sprache. Aber auch in den Sprachen des Europäischen Festlandes finden sich immer noch Begriffe und Worte aus dem Alt-keltischen.

Heute versuchen die vergleichenden Sprachwissenschaften und die Keltologie sich daran, die Sprache unserer Ahnen zu erforschen.

Das Keltische gehört zu den indoeuropäischen Sprachen und bildet deren westlichsten Zweig. Es ist verwand mit dem Germanischen, Lateinischen, Slawischen, Baltischen, Thrakischen, Albanischen, Griechischen, Iranischen, Indischen usw. Sie alle entwickelten sich aus einer indoeuropäischen Ursprache und ähneln sich im Lautbestand, der Form- und Wortbildung, im Satzbau und Wortschatz.

Das Keltische hat sich stets weiterentwickelt und zerfällt in unterschiedliche Einzelsprachen. Vergleichbar sind unsere heutigen Dialekte. Zu den festlandkeltischen Sprachen zählen das Gallische, Galatische, Lepontische und das Keltiberische. Auf die inselkeltischen Sprachen möchte ich hier nicht weiter eingehen.

Die Wortbildung und Formenlehre des Keltischen ähnelt stark denen des Griechischen und Lateinischen. Es finden sich häufig Wortkompositionen. Vorallem bei Orts- und Personennamen (z.B. Curmisagius – Bier-Freund). Die Wortstellung im Satzbau war wahrscheinlich, ähnlich wie im Lateinischen, weitgehend frei.

Gesellschaft

12. Mai 2012

Die Gesellschaft der Kelten war wie die meisten antiken Kulturen, gegliedert in den Adel, das Volk und die Knechte. Des weiteren gab es die Gliederung in Familie und Gefolgschaft.

Laut Caesar herrschte in den Familien das Patriarchat und die Einehe. Laut Strabon und Livius waren die keltischen Familien sehr kinderreich. Trotz der Männerherrschaft und den bezeugten Witwenmorden an Gräbern oder Frauenopfern, unterschied sich die Rolle der Frau bei den Kelten von denen der anderen antiken Völker. So bestand die Möglichkeit, dass Witwen oder Töchter die Herrschaftsfolge antreten konnten. Als Beispiel kann hier die britannische Königin Boudiccia genannt werden, die auch zeigt, dass die keltische Frau nicht zu Hause blieb und das Haus hütete sondern durchaus das Schwert im Kampf führte. Ein anderes Beispiel ist der Abstammungsbezug zur mütterlichen Linie, wie wir es aus Irland kennen. Männer geben z. B. den Namen ihrer Mutter an. Die mutterrechtliche Sippe heißt Clan. Auch war es nicht unüblich, dass die keltische Frau sich ihren Gatten auswählte. Dies stieß bei den antiken Gelehrten auf große Verwunderung, wie z.B. bei dem Griechen Diodor.

Auch priesen die verheirateten Damen anderen Männern an, sich ihnen hinzugeben, ohne dass dies als verwerflich galt, wie es beispielsweise die Königin Medb tat, um ihre Soldaten anzuspornen den Helden CuChullain zu töten. Der Adel herrschte über das kelt. Volk. Er bestand meist aus Grundbesitzern, die sich durch ihren Reichtum, Abstammung und großen Gefolgschaften auszeichneten. Zwischen diesen bestand eine zweiseitige Bindung. Die Herrschaft musste das Volk schützen und sich ihm wohlgesonnen halten (beispielsweise durch Geschenke), während das Volk absolute Treue schwor. Daher war es bei den Kelten sehr beliebt Feste und Gelage zu feiern die manchmal ins Unendliche zu gehen schienen. Bei diesen Gelegenheiten kam es nicht selten zu Streitigkeiten und Auseinandersetzungen. Trotzdem war in der antiken Welt die kelt. Gastfreundlichkeit gerühmt: Fremde wurden jederzeit eingeladen und standen unter einem besonderen Schutz. Wer einen Fremden tötete wurde hingerichtet, einen Einheimischen, in die Verbannung gejagt. Doch auch Knechte, bzw. Hörige gehörten zur kelt. Gesellschaft. So begaben sich Kelten, die ihre Schulden nicht zahlen konnten in die Knechtschaft. Sie hatten kein Stimmrecht und unterstanden der Gewalt ihres Hausherrn, dem sie allerdings absolute Treue leisteten. Die Kelten waren ein kriegerisches Volk und gerieten leicht in Zorn. Die Gelehrten schrieben allerdings, dass sie auch ohne Ausdauer wahren und ihre Feldzüge leicht in Flucht umschlugen, sobald sie keine Siegeschancen mehr sahen.

Unterteilt war das keltische Volk in Stämme. Ihre Größe schwankte zwischen 50000 und 200000 Mitgliedern. Die größeren Stämme waren in Gaue unterteilt. Es kam jedoch auch dazu, das einzelne Stämme zerfielen, Gaue zu anderen Stämme wechselten oder sich zu neuen Stämme zusammen schlossen, daher ist eine eindeutige Differenzierung sehr schwer. Der Stamm zeichnete sich als eigenständige Gemeinschaft, mit eigener Tradition, eigenen Kulten und einem eigenen Territorium aus, das durch natürliche Grenzen von den nächsten Stämmen getrennt wurde. Die Stämme trachteten stets danach, ihre Nachbarn zu unterwerfen oder zu vernichten. Bündnisse gingen sie nur selten ein.

Die Mittel-Latène-Zeit

12. Mai 2012

Ein Kelte namens Helico, eine trockene Feige, eine Traube, etwas Öl und Wein, sind nach Plinius dem Älteren der Auslöser für eine Völkerwanderung wie sie etwa aus dem 4./5. Jhdt. n. C. bekannt ist. Es begann die Zeit der keltischen Expansion. Die Zeit, die bei den mediterranen Völkern das Bild der Kelten prägte. Die Okkupation Roms 378 löste das keltische Trauma Roms aus, auf das Jahrhunderte später Caesar seinen Gallienfeldzug aufbauen konnte.

Warum zum Ende des 4. Jhdt. allerdings die Kelten in Scharen auszogen ist nicht klar und lässt sich schwer erschließen. Möglicherweise waren es sozi-ökonomische Krisen, Klimawechsel oder sogar ein Kometenregen.

Neben der Abwanderung änderte sich auch die Gesellschaftsstruktur. Die großen Bestattungen, wie sie noch in der LtA üblich waren, verschwanden. Das einfache Volk findet sich in den Grabfunden kaum noch. Die Friedhöfe scheinen der Elite vorbehalten zu sein. Die Grabfunde lassen darauf schließen, dass sich eine Kriegergesellschaft entwickelte. Galten früher Alter, Geschlecht und Abstammung als Hauptkriterium für die Adelsklasse, traten in der Mittellatènezeit eindeutig kriegerische Fähigkeiten in den Vordergrund. Auch scharten diese Kriegerfürsten spezialisierte Schwertträger, Lanzenträger, Bogenschützen, usw. um sich. Diese Entwicklung findet sich auch in anderen Kulturen dieser Zeit. Der Adel schmückt seine Gräber mit den typischen zweirädrigen Wagen.

Ein weiteres Merkmal ist das Verschwinden der Höhensiedlungen. Siedlungen in dieser Zeit sind kaum greifbar. In Bayern beherrschen gestreute Einzelhöfe das Landschaftsbild. Familiengemeinschaften scheinen die Großsiedlungen abzulösen. Dies macht sich auch darin bemerkbar, dass den adligen Kindergräbern fast gleiche Beigaben wie den Erwachsenen dargebracht werden.

Die Mittellatènezeit bringt uns einen großen Teil der schriftlichen Überlieferungen über die Kelten. Ihre Feldzüge und Besiedelungen der Gallia Cisalpina, ihr Auftreten als Söldner auf dem Balken, in Hannibals Heer, ihre Aufstände auf der iberischen Halbinsel beeindrucken die antiken Autoren. Die Kelten erschienen in Macedonien und Griechenland. Sie plündern Delphi und treffen auf Alexander den Großen. Die Kelten gründen Siedlungen in ganz Europa. Heute noch existierende Städte wie Mailand, Bologna, usw. gehen auf die Kelten zurück. (s.a.:Zeittafel)

Die keltische Expansion endet mit dem Aufstreben eine italischen Stadtstaates: Rom. Die Schlacht um das keltische Italien beginnt und endet mit der Gründung des Ager Gallicus und der Vertreibung der Kelten zurück nach über die Alpen. Der Beginn der Hochzeit der Kelten und gleichzeitig der Anfang vom Ende…

Die Früh-Latène-Zeit

12. Mai 2012

Im 5. Jhd.v.Chr. änderten sich das kulturelle Gefüge Mitteleuropas in allen Bereichen. Diese Veränderungen sind im archäologischen Fundgut greifbar: die hallstattzeitlichen Fürstensitze verlieren ihre Bedeutung. Nur wenige überdauern diesen Übergang. Manche werden ganz aufgegeben. Sogar Grabhügel werden geplündert.

Doch die Fundlage zeigt auch noch etwas anderes: an den Rändern des sog. Westhallstattkreises entwickeln sich neue Machtzentren. Neue “Fürsten”sitze werden gegründet und Höhensiedlungen, die in der bisherigen Zeit eine eher untergeordnete Rolle spielten, gewinnen an Bedeutung. Besonders ausgeprägt ist diese Entwicklung im Bereich der Hunsrück-Eifel-Kultur (der Bereich des heutigen Ostfrankreichs, des Saarlandes, bis hin zum Rhein), der Marne-Kultur (heutige Champagne) und im Bereich Böhmens und Nordösterreichs.

Die neuen “Fürsten” und “Fürstinnen” werden weiterhin in Grabhügeln bestattet. Doch die Grabbeigaben ändern sich. Der typisch hallstattzeitliche vierrädrige Wagen wird durch zweirädrige Streitwagen ersetzt. Die Adligen werden mit ihren Waffen (Schwert, Helm, Lanzen/Speere, Schild, Bogen) bestattet. Die beigegebenen Trink- und Essgeschirre verschwinden und so genannte Schnabel- und Röhrenkannen nach Etruskischem Vorbild ersetzen die mehrteiligen Service. Doch das markanteste Merkmal der neuen Kultur ist ein bis dahin unbekannter Kunststil.

Dieser Stil und mit ihm die gesamte Epoche vom 5.Jhdt.v.Chr. bis etwa 50 n.Chr. wird nach einer Untiefe im Neuchateller See in der Schweiz benannt. Dort befand sich eine Opferstätte der Kelten. Das reiche Fundgut unterschied sich von dem bis dahin bekannten hallstattzeitlichen derart, dass bereits im 19. Jhd. diese Bezeichnung eingeführt wurde.

Dieser neue Stil zeichnet sich durch weiche und fließende Muster aus, im Gegensatz zur geometrischen Kunst der Hallstattzeit. Die Handwerker verziehrten Schmuck, Waffen und Gebrauchsgegenstände mit einer Ornamentik, die sich durch technische Perfektion und Detailliertheit auszeichnet. Sie integriert pflanzliche Motive, Darstellungen von Tieren, Fabelwesen und menschlichen Gesichtern. Oftmals sind diese Darstellungen so abstrakt und vieldeutig, dass die das Prinzip der positiv und negativ lesbaren Wechselbilder entsprechen. Diese Darstellungsart zeigt Einflüsse, die wiederspiegeln, dass in der Früh-La-Téne-Zeit der Handel mit den Etruskern verstärkt wurde. Doch auch Beziehungen zu den östlichen Nachbarn, wie z. B. den Skythen, werden deutlich. Diese Einflüsse gehen soweit, dass die charakteristischen Schnabelkannen, zunächst etruskisches Importgut, von keltischen Handwerkern verändert und sogar rein “keltische” Kannen gefertigt werden. (Bsp.) Die Funde beweisen, dass die Handwerker dieser Zeit bereits hoch spezialisiert waren und über ein enormes Wissen und Können verfügten.

Einige Beigaben ermöglichen uns sogar, dass Aussehen der früh-La-Téne-zeitlichen Kelten zu rekonstruieren. Statuen, Amulette, Figuren auf Kannen, Situlen und Schwertscheiden geben ein Bild davon, wie die Kelten ausgesehen haben. (s. Projekt Wetteraukrieger)

Die neuen Machtzentren bilden neue Handelszentren. Die Haupthandelsgüter sind Salz, Eisen und Textilien. Es kommt zu einer antiken Industrialisierung, wie z.B. die Bergwerke bei Hallein (A) und die Saline von Bad Nauheim (Hessen) zeigen. Sie bildet die Grundlage für den Reichtum und die Macht dieser Gesellschaft. Ein Teil der Bevölkerung arbeitet in den “Industrieanlagen” der andere Teil sorgte für die Versorgung mit Lebensmitteln.

Allerdings deuten die Grabfunde daraufhin, dass die Gesellschaft ein großes kriegerisches Potential besaß. Mit dem Wechsel von der Früh- zur Mittel-La-Téne-Zeit wird dieses Potential deutlich und kommt zum Ausbruch. Die Keltische Expansion beginnt. …