Dünsberg

Nordwestlich von Gießen, im Gladenbacher Bergland, einem Ausläufer des Westerwaldes, erhebt sich der Dünsberg mit einer Höhe von 500m NN über das Lahntal.
Drei Ringwälle, deren äußerster eine Gesamtfläche von 90 ha umschließt und deren eindrucksvollster eine bis zu 10m hohe Außenböschung aufweist, geben Zeugnis von der Wichtigkeit dieses zentralen Punktes für die Siedlungsgeschichte.
Die Datierung der ersten Mauerkonstruktionen beginnen im 8. Jhd. v. Chr., der späten Bronzezeit über die spätkletische Zeit bis etwa in das 5. Jhd. n. Chr. als Alamannische Festung.
Die Konstruktion entwickelte sich mit dem Stand der Wehrtechnik. Geht man davon aus, dass sie in der Bronzezeit aus der üblichen Holz-Steine-Erde-Konstruktion bestand, so bezeugen Funde, dass die Wallanlage z. Z. der größten Ausdehnung, im 2./1. Jhd. v. Chr. als spätkeltisches Oppidum, aus einer Pfostenschlitzmauer Typ Kelheim bestand. Eine Rekonstruktion dieses Mauertyps mit einer entsprechenden Zangentoranlage, wie sie typisch für die Latènezeit, ist am Parkplatz ,,Dünsberg” am westlichen Bergfuß ans der L 3061 aufgebaut. Die inneren Wälle wurden durch Tangentialtore unterbrochen. Bisher ungeklärt ist die Bedeutung der Strahlenwälle, die an den Toren ansetzten und sich am Hang hinunterziehen. Diese wurden im Siebenjährigen Krieg in Geschützstände integriert.
Am äußeren Wall wurden mehrer Wasserreservoirs ausgegraben. Sie waren sorgfältig mit Wänden aus Holzpfosten und Bohlen ausgekleidet und dienten der Versorgung der stadtartigen Anlage.
Künstliche Einebnungen in großer Zahl an den Hängen und Funde in diesen Plateaus belegen, dass die Häuser der Kelten in die Hänge des Dünsberges gebaut wurden.
Die Funde ziehen sich von der Steinzeit bis in die Neuzeit. Die meisten Funde lassen die Hauptbesiedlungszeite von der Urnenfelderzeit bis zur Spätlatènezeit datieren.
Die Fundlage deutet darauf hin, dass das Oppidum am Dünsberg von den Ubiern besiedelt wurde. Die keltischen Münzen die hier geprägt wurden, zeigen das “tänzelnde Männlein”. In den 20iger Jahren v.Chr. verschwindet dieses Motiv im Bereich und taucht im Rheintal auf. Caesar erwähnt, dass zu dieser Zeit die Ubier auf die linke Rheinseite umgesiedelt wurden. Interessant ist, das das keltische Oppidum noch bestand, als sich der Stamm der Chatten bildete, etwa die Mitte des letzten Jhd. v. Chr. Das Volk, dass den Dünsberg besiedelte war ein Mischvolk zwischen Kelten und Germanen.
Die Waffenfunde am Dünsberg wurden bisher als Überreste einer kriegerische Auseinandersetzung zwischen den Bewohner und Römern oder feindlichen Stämmen gedeutet. Neuere Forschungen scheinen aber zu belegen, dass diese als Trophäen die Mauern des Oppidums schmückten.
Das Oppidum wurde im letzten Jahrzehnt v. Chr. aufgegeben. Erst in Spätrömischerzeit, um 260 z.Z. des Limesfalles, besiedelten die Alamannen das Land und den Dünsberg erneut. Funde aus dem 4./5. jhd. deuten auf eine Gauburg, den Sitz eines Kleinkönigs, hin, dessen Macht wahrscheinlich mit dem Einfall der Franken um 500 sein Ende fand.

(Quellen:
Der Dünsberg bei Gießen – Archäologische Denkmäler in Hessen Bd. 60,
Landesamt f. Denkmalpflege Hessen 1986

Neue Ausgrabungen am Dünsberg – Dr. C. Nickel in Archäologie Online 2003
Die Vorgeschichte Hessens – Theiss Verlag Stuttgart 1990
Nickel / Rittershofer in Hessen Archäologie 2002 – Theiss Verlag Stuttgart 2003)


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