Die Früh-Latène-Zeit

Im 5. Jhd.v.Chr. änderten sich das kulturelle Gefüge Mitteleuropas in allen Bereichen. Diese Veränderungen sind im archäologischen Fundgut greifbar: die hallstattzeitlichen Fürstensitze verlieren ihre Bedeutung. Nur wenige überdauern diesen Übergang. Manche werden ganz aufgegeben. Sogar Grabhügel werden geplündert.

Doch die Fundlage zeigt auch noch etwas anderes: an den Rändern des sog. Westhallstattkreises entwickeln sich neue Machtzentren. Neue “Fürsten”sitze werden gegründet und Höhensiedlungen, die in der bisherigen Zeit eine eher untergeordnete Rolle spielten, gewinnen an Bedeutung. Besonders ausgeprägt ist diese Entwicklung im Bereich der Hunsrück-Eifel-Kultur (der Bereich des heutigen Ostfrankreichs, des Saarlandes, bis hin zum Rhein), der Marne-Kultur (heutige Champagne) und im Bereich Böhmens und Nordösterreichs.

Die neuen “Fürsten” und “Fürstinnen” werden weiterhin in Grabhügeln bestattet. Doch die Grabbeigaben ändern sich. Der typisch hallstattzeitliche vierrädrige Wagen wird durch zweirädrige Streitwagen ersetzt. Die Adligen werden mit ihren Waffen (Schwert, Helm, Lanzen/Speere, Schild, Bogen) bestattet. Die beigegebenen Trink- und Essgeschirre verschwinden und so genannte Schnabel- und Röhrenkannen nach Etruskischem Vorbild ersetzen die mehrteiligen Service. Doch das markanteste Merkmal der neuen Kultur ist ein bis dahin unbekannter Kunststil.

Dieser Stil und mit ihm die gesamte Epoche vom 5.Jhdt.v.Chr. bis etwa 50 n.Chr. wird nach einer Untiefe im Neuchateller See in der Schweiz benannt. Dort befand sich eine Opferstätte der Kelten. Das reiche Fundgut unterschied sich von dem bis dahin bekannten hallstattzeitlichen derart, dass bereits im 19. Jhd. diese Bezeichnung eingeführt wurde.

Dieser neue Stil zeichnet sich durch weiche und fließende Muster aus, im Gegensatz zur geometrischen Kunst der Hallstattzeit. Die Handwerker verziehrten Schmuck, Waffen und Gebrauchsgegenstände mit einer Ornamentik, die sich durch technische Perfektion und Detailliertheit auszeichnet. Sie integriert pflanzliche Motive, Darstellungen von Tieren, Fabelwesen und menschlichen Gesichtern. Oftmals sind diese Darstellungen so abstrakt und vieldeutig, dass die das Prinzip der positiv und negativ lesbaren Wechselbilder entsprechen. Diese Darstellungsart zeigt Einflüsse, die wiederspiegeln, dass in der Früh-La-Téne-Zeit der Handel mit den Etruskern verstärkt wurde. Doch auch Beziehungen zu den östlichen Nachbarn, wie z. B. den Skythen, werden deutlich. Diese Einflüsse gehen soweit, dass die charakteristischen Schnabelkannen, zunächst etruskisches Importgut, von keltischen Handwerkern verändert und sogar rein “keltische” Kannen gefertigt werden. (Bsp.) Die Funde beweisen, dass die Handwerker dieser Zeit bereits hoch spezialisiert waren und über ein enormes Wissen und Können verfügten.

Einige Beigaben ermöglichen uns sogar, dass Aussehen der früh-La-Téne-zeitlichen Kelten zu rekonstruieren. Statuen, Amulette, Figuren auf Kannen, Situlen und Schwertscheiden geben ein Bild davon, wie die Kelten ausgesehen haben. (s. Projekt Wetteraukrieger)

Die neuen Machtzentren bilden neue Handelszentren. Die Haupthandelsgüter sind Salz, Eisen und Textilien. Es kommt zu einer antiken Industrialisierung, wie z.B. die Bergwerke bei Hallein (A) und die Saline von Bad Nauheim (Hessen) zeigen. Sie bildet die Grundlage für den Reichtum und die Macht dieser Gesellschaft. Ein Teil der Bevölkerung arbeitet in den “Industrieanlagen” der andere Teil sorgte für die Versorgung mit Lebensmitteln.

Allerdings deuten die Grabfunde daraufhin, dass die Gesellschaft ein großes kriegerisches Potential besaß. Mit dem Wechsel von der Früh- zur Mittel-La-Téne-Zeit wird dieses Potential deutlich und kommt zum Ausbruch. Die Keltische Expansion beginnt. …


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