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Die Mittel-Latène-Zeit

12. Mai 2012

Ein Kelte namens Helico, eine trockene Feige, eine Traube, etwas Öl und Wein, sind nach Plinius dem Älteren der Auslöser für eine Völkerwanderung wie sie etwa aus dem 4./5. Jhdt. n. C. bekannt ist. Es begann die Zeit der keltischen Expansion. Die Zeit, die bei den mediterranen Völkern das Bild der Kelten prägte. Die Okkupation Roms 378 löste das keltische Trauma Roms aus, auf das Jahrhunderte später Caesar seinen Gallienfeldzug aufbauen konnte.

Warum zum Ende des 4. Jhdt. allerdings die Kelten in Scharen auszogen ist nicht klar und lässt sich schwer erschließen. Möglicherweise waren es sozi-ökonomische Krisen, Klimawechsel oder sogar ein Kometenregen.

Neben der Abwanderung änderte sich auch die Gesellschaftsstruktur. Die großen Bestattungen, wie sie noch in der LtA üblich waren, verschwanden. Das einfache Volk findet sich in den Grabfunden kaum noch. Die Friedhöfe scheinen der Elite vorbehalten zu sein. Die Grabfunde lassen darauf schließen, dass sich eine Kriegergesellschaft entwickelte. Galten früher Alter, Geschlecht und Abstammung als Hauptkriterium für die Adelsklasse, traten in der Mittellatènezeit eindeutig kriegerische Fähigkeiten in den Vordergrund. Auch scharten diese Kriegerfürsten spezialisierte Schwertträger, Lanzenträger, Bogenschützen, usw. um sich. Diese Entwicklung findet sich auch in anderen Kulturen dieser Zeit. Der Adel schmückt seine Gräber mit den typischen zweirädrigen Wagen.

Ein weiteres Merkmal ist das Verschwinden der Höhensiedlungen. Siedlungen in dieser Zeit sind kaum greifbar. In Bayern beherrschen gestreute Einzelhöfe das Landschaftsbild. Familiengemeinschaften scheinen die Großsiedlungen abzulösen. Dies macht sich auch darin bemerkbar, dass den adligen Kindergräbern fast gleiche Beigaben wie den Erwachsenen dargebracht werden.

Die Mittellatènezeit bringt uns einen großen Teil der schriftlichen Überlieferungen über die Kelten. Ihre Feldzüge und Besiedelungen der Gallia Cisalpina, ihr Auftreten als Söldner auf dem Balken, in Hannibals Heer, ihre Aufstände auf der iberischen Halbinsel beeindrucken die antiken Autoren. Die Kelten erschienen in Macedonien und Griechenland. Sie plündern Delphi und treffen auf Alexander den Großen. Die Kelten gründen Siedlungen in ganz Europa. Heute noch existierende Städte wie Mailand, Bologna, usw. gehen auf die Kelten zurück. (s.a.:Zeittafel)

Die keltische Expansion endet mit dem Aufstreben eine italischen Stadtstaates: Rom. Die Schlacht um das keltische Italien beginnt und endet mit der Gründung des Ager Gallicus und der Vertreibung der Kelten zurück nach über die Alpen. Der Beginn der Hochzeit der Kelten und gleichzeitig der Anfang vom Ende…

Die Früh-Latène-Zeit

12. Mai 2012

Im 5. Jhd.v.Chr. änderten sich das kulturelle Gefüge Mitteleuropas in allen Bereichen. Diese Veränderungen sind im archäologischen Fundgut greifbar: die hallstattzeitlichen Fürstensitze verlieren ihre Bedeutung. Nur wenige überdauern diesen Übergang. Manche werden ganz aufgegeben. Sogar Grabhügel werden geplündert.

Doch die Fundlage zeigt auch noch etwas anderes: an den Rändern des sog. Westhallstattkreises entwickeln sich neue Machtzentren. Neue “Fürsten”sitze werden gegründet und Höhensiedlungen, die in der bisherigen Zeit eine eher untergeordnete Rolle spielten, gewinnen an Bedeutung. Besonders ausgeprägt ist diese Entwicklung im Bereich der Hunsrück-Eifel-Kultur (der Bereich des heutigen Ostfrankreichs, des Saarlandes, bis hin zum Rhein), der Marne-Kultur (heutige Champagne) und im Bereich Böhmens und Nordösterreichs.

Die neuen “Fürsten” und “Fürstinnen” werden weiterhin in Grabhügeln bestattet. Doch die Grabbeigaben ändern sich. Der typisch hallstattzeitliche vierrädrige Wagen wird durch zweirädrige Streitwagen ersetzt. Die Adligen werden mit ihren Waffen (Schwert, Helm, Lanzen/Speere, Schild, Bogen) bestattet. Die beigegebenen Trink- und Essgeschirre verschwinden und so genannte Schnabel- und Röhrenkannen nach Etruskischem Vorbild ersetzen die mehrteiligen Service. Doch das markanteste Merkmal der neuen Kultur ist ein bis dahin unbekannter Kunststil.

Dieser Stil und mit ihm die gesamte Epoche vom 5.Jhdt.v.Chr. bis etwa 50 n.Chr. wird nach einer Untiefe im Neuchateller See in der Schweiz benannt. Dort befand sich eine Opferstätte der Kelten. Das reiche Fundgut unterschied sich von dem bis dahin bekannten hallstattzeitlichen derart, dass bereits im 19. Jhd. diese Bezeichnung eingeführt wurde.

Dieser neue Stil zeichnet sich durch weiche und fließende Muster aus, im Gegensatz zur geometrischen Kunst der Hallstattzeit. Die Handwerker verziehrten Schmuck, Waffen und Gebrauchsgegenstände mit einer Ornamentik, die sich durch technische Perfektion und Detailliertheit auszeichnet. Sie integriert pflanzliche Motive, Darstellungen von Tieren, Fabelwesen und menschlichen Gesichtern. Oftmals sind diese Darstellungen so abstrakt und vieldeutig, dass die das Prinzip der positiv und negativ lesbaren Wechselbilder entsprechen. Diese Darstellungsart zeigt Einflüsse, die wiederspiegeln, dass in der Früh-La-Téne-Zeit der Handel mit den Etruskern verstärkt wurde. Doch auch Beziehungen zu den östlichen Nachbarn, wie z. B. den Skythen, werden deutlich. Diese Einflüsse gehen soweit, dass die charakteristischen Schnabelkannen, zunächst etruskisches Importgut, von keltischen Handwerkern verändert und sogar rein “keltische” Kannen gefertigt werden. (Bsp.) Die Funde beweisen, dass die Handwerker dieser Zeit bereits hoch spezialisiert waren und über ein enormes Wissen und Können verfügten.

Einige Beigaben ermöglichen uns sogar, dass Aussehen der früh-La-Téne-zeitlichen Kelten zu rekonstruieren. Statuen, Amulette, Figuren auf Kannen, Situlen und Schwertscheiden geben ein Bild davon, wie die Kelten ausgesehen haben. (s. Projekt Wetteraukrieger)

Die neuen Machtzentren bilden neue Handelszentren. Die Haupthandelsgüter sind Salz, Eisen und Textilien. Es kommt zu einer antiken Industrialisierung, wie z.B. die Bergwerke bei Hallein (A) und die Saline von Bad Nauheim (Hessen) zeigen. Sie bildet die Grundlage für den Reichtum und die Macht dieser Gesellschaft. Ein Teil der Bevölkerung arbeitet in den “Industrieanlagen” der andere Teil sorgte für die Versorgung mit Lebensmitteln.

Allerdings deuten die Grabfunde daraufhin, dass die Gesellschaft ein großes kriegerisches Potential besaß. Mit dem Wechsel von der Früh- zur Mittel-La-Téne-Zeit wird dieses Potential deutlich und kommt zum Ausbruch. Die Keltische Expansion beginnt. …

Hallstattzeit

12. Mai 2012

Im 6. Jhdt. v.Chr. setzt sich die Eisenverarbeitung in Mitteleuropa durch und beschreibt somit den Wechsel von der Bronze- in die Eisenzeit. Es ist gleichzeitig der Beginn der sogenannten älteren Hallstattkultur.

1846 wurde von J.G. Ramsauer ein ausgedehntes Gräbfeld im Österreichischen Ort Hallstatt im Salzkammergut freigelegt. Auf Grund der charakteristischen Funde dieser Zeit wurde diese Epoche nach dem Fundort Hallstatt benannt. Kennzeichnend für die Hallstattzeit sind die geometrischen Verzierungen der Keramiken.

Die Grundlage dieser Kultur bildeten immer noch Ackerbau und Viehzucht. Die Landschaft war größtenteils noch unberührt und ein Straßen- und Handelsnetz war kaum fassbar. Das Leben der Menschen bewegte sich in einem engen Kulturrahmen. Die landwirtschaftlichen Techniken waren zu dieser Zeit schon weiterentwickelt. Die eiserne Pflugschar und die Sense waren bereits bekannt. Doch auch Handwerk und Handel erlangten immer stärkere Bedeutung. Das Eisen ermöglichte einen Technolgiesprung. Es war leichter zu verarbeiten, hatte bessere Eigenschaften und war einfacher zu beschaffen als die Rohstoffe Kupfer und Zinn. Dies bedeutete auch, das das soziale Gefüge in Mitteleuropa veränderte, da sich die bisherigen Handelsbeziehungen natürlich grundlegend änderten. Neue Handelszentren entstanden und alte zerfielen.

In der Hallstattkultur etablierte sich ein Herrschaftssystem, dessen herausragendste Persönlichkeiten in Grabhügeln (Tumulus) bestattet wurden. Die Körperbestattung verdrängt die bisherige Urnenbestattung. Die Gräber wurde mit Beigaben reich ausgestattet. Kennzeichnend für die Gräber der älteren Hallstattkultur sind lange Eisen- oder Bronzeschwerter, Lanzen und Pferdegeschirre.

Gegen Ende des 7.Jhdt. v.Chr. erreicht die Ausbildung der Adelsklasse seinen Höhepunkt. Sie markiert den Wechsel zur späten Hallstattkultur. Reich ausgestattete “Fürsten”gräber und befestigte Höhensiedlungen prägen den Bereich Süd-West-Deutschlands, Ost-Frankreichs und der Nord-Schweiz. Wobei der Großteil der Bevölkerung weiterhin in kleinen offenen Dörfern lebte.
Riesige Grabhügel in exponierter Lage, versehen mit hölzernen Grabkammern dienen als letzte Ruhestätte. Die Grabbeigaben verändern sich. Die Fürsten und Fürstinnen werden mit Goldschmuck beigesetzt. Charakteristisch sind ein goldener Halsring, Pferdegeschirre, vierrädrige Wagen. Ergänzt wird diese Austattung meistens durch einen Dolch, goldenen Armringe, Fibeln an Stelle von Gewandnadeln, Trink- und Essgeschirr. Schwerter und Lanzen werden nur noch selten in die Gräber mitgegeben.

In der späten Hallstattkultur entwickelt sich auch der Handel mit den mediteranen Kulturen, vor allem den Griechen. Das Fernhandelsnetz wird ausgebaut. Geschirr, Schmuck und Möbel nach griechischen Mustern werden in den hallstattzeitlichen Gräbern und Siedlungen gefunden. Aber auch Italische Einflüße sind erkennbar.

Der mediterrane Einfluss wird besonders deutlich im Falle der Heuneburg:
Sie ist eine der befestigten Höhensiedlung der Hallstattzeit. Sie war das Machtzentrum von “Hallstattfürsten” und dominierten das umliegende Siedlungsgebiet. Die Heuneburg war über einen Zeitraum von mehr als 50 Jahren mit einer Lehmziegelmauer nach mediterranem Vorbild befestigt, die nördlich der Alpen für diese Zeit einzigartig ist.

Im 6. und 5. Jhd.v.Chr. kommt es zu sozialen Umbrüchen in Südeuropa. Diese scheinen sich auch auf den Hallstattkreis auszuwirken, denn es finden gravierende Veränderungen statt die alle kulturellen Bereiche betreffen. Die Hallstattzeit geht zu Ende und die La-Téne-Zeit beginnt.

Mehr über die Hallstattzeit: Keltenreich.de